Ostern in 2500 Zeichen

Dieser Tage lud mich unser Ortsvorsteher ein, im Vorwort etwas zu Ostern, dem wichtigsten Fest der Christenheit, zu schreiben, allerdings stünden mir aufgrund redaktioneller Vorgaben nur 2500 Zeichen als Budget zur Verfügung. Deshalb geht es mir hier nicht um hohe Theologie, sondern vielmehr um die Frage, was Ostern mit uns und unserem Leben zu tun hat. Dieses Fest ist für mich wie ein Spiegel, in dem ich viele Facetten des Lebens entdecke:

Der Gründonnerstag zeigt in der Fußwaschung, die Jesus an seinen Freunden vollzieht, dass nicht Rechthaberei, Gewalt und Krieg die Menschen weiterbringt, sondern die Demut, was nichts anderes bedeutet als der Mut zum Dienen. Das gemeinsame Mahl im Freundeskreis, das er uns als sein Vermächtnis hinterlassen hat, fördert die Gemeinschaft, schenkt Verbundenheit und Freundschaft. Eine Erfahrung, die auch wir immer wieder im Kreis unserer Lieben machen dürfen. Die anschließende Nacht am Ölberg bringt Jesus Enttäuschung, Todesangst und dann sogar Verrat, von einem seiner Treuesten. Erfahrungen, die wohl keinem erspart bleiben.

Am Karfreitag steht in der nüchternen, schmucklosen Kirche das Kreuz im Mittelpunkt: Keine Blumen, kein Schmuck, keine Glocken, keine Musik, alles karg und schlicht. Wie oft sieht es auch in unserem Leben so aus: freudlos, karg, nüchtern, grau. Und dann das Kreuz im Mittelpunkt, dieses heute oft so ungeliebte und immer mehr verdrängte Zeichen unseres Glaubens. Aber mal ehrlich: Gibt es überhaupt ein Menschenleben ohne Kreuz? Hier dürfen wir unsere Kreuze zu dem bringen, der auch diese bittere Erfahrung mit uns teilt, aus tiefer Solidarität oder schlicht: aus Liebe zu uns Menschen.

Die Osternacht beginnt mit schüchternen, leisen Zeichen: die eine Kerze, die in die dunkle, stille Kirche getragen wird, die vielen Kerzen, die an diesem Osterlicht angezündet werden und die Kirche in ein mystisches, warmes, freundliches Licht tauchen, das dem Dunkel wehrt. Zeichen und Symbole, die für sich sprechen, die jeder für sich und seine Lebenserfahrungen deuten kann, die man nicht erklären muss.

Und dann der Osterjubel: eine festliche, farbenfrohe, reich geschmückte Kirche, in der man den Frühling riechen kann, Lieder, die jedem leicht von den Lippen gehen, lebendige und festliche Musik, gestaltet von der Jugendband, brausender Orgel, Chor und festlichen Trompetenklängen. Ausdrucksformen, Zeichen und Gesten, die unser ganzes Menschsein ergreifen, nicht nur den Verstand. Es ist wie ein Aufstand gegen den Tod und all das, was wir in unserem Leben als tot oder tödlich erfahren (müssen).

Nein, es geht hier nicht um hohe Theologie, sondern um unser Leben, das sich in dem spiegelt, wie und was wir an Ostern feiern. Ich möchte Sie ermuntern und einladen die Gottesdienste mitzufeiern. Feiern, die unserem (Er-)Leben, unseren Erfahrungen und unserem Dasein tief entsprechen, mit der festen Zusage Gottes: Das Leben wird am Ende siegen! Ostern in 2500 Zeichen.

Ihr Pfarrer
Thomas Fuchs

Autor: Thomas Fuchs

Thomas Fuchs, Pfarrer der Gemeinden Kirchspiel Vimbuch, Weitenung, Moos

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