Gesegnete Weihnachten!

Vielen tönt es unerträglich süßlich, angestaubt, realitätsfremd; dennoch darf es in keiner Christmette fehlen: „Stille Nacht, heilige Nacht“. Dieses Lied prägt die Heilige Nacht wie kein anderes. Die besungene Stille dieser Nacht ist für viele sehr schwer auszuhalten, zu erleben, zu ertragen. Stille macht oft Angst und kann einen tief abstürzen lassen. Es gibt Zeiten und Situationen, in denen wir der Stille regelrecht davon laufen. Sie konfrontiert uns mit uns selbst und es steigen Dinge aus der Seele, aus unserem Inneren auf, die wir sonst gerne und erfolgreich verdrängen.

Ein weiteres ist, dass die Stille heute kaum noch unserem Lebensgefühl entspricht. Immer unterwegs zu sein, immer in Aktion, immer irgendwie unterhalten zu werden vermittelt uns so etwas wie Vitalität, Lebendigkeit, voll im Leben stehen. Stille dagegen vermittelt kein Gefühl dieser Lebensqualitäten. Die Stille, auch die Stille der Weihnacht, finden viele schwer erträglich, sogar verlogen.

Dabei wünschen sich so viele Menschen dieser Erde endlich Stille: Die Explosion von Bomben soll nicht mehr zu hören sein, die Gewehre sollen schweigen, die Schreie der Verletzten und Sterbenden sollen aufhören. Viele wünschen sich Stille in ihren Herzen und Seelen, die sie endlich ruhig werden lässt, in der sie Frieden mit sich selbst finden.

Stille – sie ließe die Kostbarkeit des Friedens, des äußeren wie des inneren, erahnen und ließe aufatmen. Wie gut ist die Stille der Nacht, in der man beruhigt schlafen kann. Wie gesucht und vielfach angenommen die Stille ist, zeigte der „Raum der Stille“ in der Pfarrkirche, am 1. Adventssonntag.

Der Prophet Jesaja besingt diese Sehnsucht in der Lesung, die im Gottesdienst der Heiligen Nacht zu hören ist, mit einem Bild: Das Volk, das im Dunkeln lebt, schaut ein großes Licht. Dieses Licht sieht Jesaja in einem Kind. Für uns Christen meint dieser Text vorausschauend die Geburt Jesu, die Menschwerdung unseres Heilandes.

Jesaja besingt, dass Gott die Erde und uns Menschen nicht aufgegeben hat. Er hat immer wieder in der Geschichte durch Menschen gehandelt, die von seinem Geist durchtränkt waren. Ein Mensch, der ganz und gar von diesem Geist Gottes durchtränkt war, war der unvergessene Martin Luther King. Er hat seine Hoffnung und Zuversicht so ausgedrückt: „Komme, was mag. Gott ist mächtig! Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große, segnende Kraft gibt, die Gott heißt.“

Die heilige Nacht lenkt durch ihre Stille nicht ab von der Wirklichkeit und Realität unserer Welt und unseres Lebens. Sie lenkt den Blick auf eine andere Dimension, auf Gott, der sich für uns ereifert, d.h. für uns Menschen mit seiner ganzen Leidenschaft einsetzen will.

Das zu erleben, und die Stille eines inneren Friedens erfahren zu dürfen, wünsche ich uns allen.

Gesegnete Weihnachten!

Ihr Pfarrer Thomas Fuchs

Autor: Thomas Fuchs

Thomas Fuchs, Pfarrer der Gemeinden Kirchspiel Vimbuch, Weitenung, Moos

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